Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Selten erkannt und meist unterschätzt – die Schilddrüsenunterfunktion beim Hund

Ein Thema, das zu lange ignoriert wurde

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit enormer Wirkung – sie beeinflusst nahezu jeden Prozess im Körper. Und dennoch war sie lange Zeit selbst im veterinärmedizinischen Studium kaum ein Thema. Erst in den letzten Jahren hat ihre Bedeutung zugenommen – und es gibt inzwischen einige spezialisierte verhaltenstherapeutische Tierärzte, die sich intensiv mit der Schilddrüsenunterfunktion beim Hund beschäftigen.

Wir arbeiten in diesem Bereich eng mit Frau Christiane Wergowski, Tierärztin für Verhaltenstherapie, zusammen – und bringen langjährige eigene Erfahrung mit einem Thema mit, das in der täglichen Praxis noch immer zu oft übersehen wird.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Wenn die Schilddrüse beim Hund erkrankt, liegt in den meisten Fällen eine Unterfunktion (Hypothyreose) vor. Eine Überfunktion ist selten und dann meist fütterungs- oder tumorbedingt.

Das Tückische an der Schilddrüsenunterfunktion: Die Symptome sind so vielfältig und so unterschiedlich, dass sie kaum einem einheitlichen Bild folgen – und genau das macht die Diagnose so schwer.

Die Symptome – ein breites und verwirrend variables Bild

Es kann der träge, übergewichtige Hund sein – aber genauso der schlanke, hyperaktive. Schnelle Erschöpfung und übermäßiger Bewegungsdrang können beide auf eine SDU hinweisen. Die Schilddrüse macht keine einfachen Symptome.

Mögliche Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion:

  • Plötzliches aggressives Verhalten – oft ohne erkennbaren Auslöser

  • „Schizophrenes" Verhalten – unberechenbare Stimmungsschwankungen

  • Angst und Übererregbarkeit

  • Aufmerksamkeitsdefizite und Lernverweigerung

  • Kälteintoleranz – aber auch Wärmeintoleranz

  • Chronische Ohrenentzündungen

  • Veränderungen an Fell, Haut und/oder Krallen

  • Erhöhte Infektanfälligkeit

  • Unklare Lahmheiten

  • Epilepsie als Sekundärerkrankung

  • Störungen im Bereich der Fortpflanzung und Läufigkeitsverzögerung

  • Gewichtszunahme trotz normaler Fütterung – aber auch ungewöhnliche Schlankheit

💡 Kurz gesagt: Wenn viele unspezifische Symptome zusammenkommen und keine klare Ursache gefunden wird – immer an die Schilddrüse denken!

Das Problem mit der Diagnose – "alle Werte ok"

Hier liegt eines der größten Probleme: Viele Tierärzte führen lediglich einen einfachen T4-Wert durch – und wenn dieser im Referenzbereich liegt, gilt die Schilddrüse als unauffällig. Das reicht nicht.

Ein Hund kann klinisch hypothyreot sein und trotzdem scheinbar „normale" Werte haben – je nachdem welches Labor und welche Referenzwerte verwendet werden.

Was wirklich notwendig ist: Ein großes Schilddrüsenprofil, das folgende Werte umfasst:

  • T4 und fT4 (freies T4)

  • T3 und fT3 (freies T3)

  • TSH

  • Antikörper gegen T4 und T3

  • Antikörper gegen Thyreoglobulin (TG)

💡 Wichtiger Hinweis: Derzeit ist Laboklin (Profil Nr. 2086) das einzige deutsche Labor, das die Antikörper gegen T4 und T3 in den USA bestimmen lässt – und damit das vollständigste Bild liefert.

Zusätzlich empfehlen wir:

  • Kontrolle von Zink, Selen und Jod in Verbindung mit einer Futterplananalyse

  • Ein Organprofil zum Ausschluss von Begleiterkrankungen, die die Schilddrüse beeinflussen können

⚠️ Zur Interpretation der Werte:

  • T4 – bei jungen Hunden sollte der Wert im oberen Drittel der Referenz liegen. Mit zunehmendem Alter ist ein niedrigerer T4 erwartungsgemäß.

  • T3 – wird aus T4 gebildet und liegt idealerweise um die 100 innerhalb der Referenz.

  • TSH – ein korrekter TSH-Wert schließt eine SDU leider nicht aus! Das ist eine der häufigsten Fehlerquellen in der Diagnostik.

Was passiert, wenn eine SDU nicht behandelt wird?

Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion ist keine Lappalie – sie wirkt sich auf den gesamten Organismus aus und kann schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen:

  • Erhöhtes Verletzungsrisiko

  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten

  • Autoimmunerkrankungen – viele Autoimmunerkrankungen bedingen weitere, die SDU ist hier oft der Ausgangspunkt

  • Vestibularsyndrom – als Folge chronischer Ohrenentzündungen

  • Herzerkrankungen

  • Und vieles mehr

Was passiert, wenn substituiert wird obwohl keine SDU vorliegt?

Das ist eine berechtigte Frage – und die Antwort ist beruhigend: Bei sogenannten euthyreoten Hunden (also Hunden mit normaler Schilddrüsenfunktion), die probeweise substituiert wurden, kam es unter der Substitution zu keiner Überfunktion. Die T3-Werte wurden nicht negativ beeinflusst – und nach dem Absetzen erholte sich die Schilddrüse innerhalb von 2–4 Monaten vollständig.

Unser Angebot

Wir beraten euch gerne rund um das Thema Schilddrüsenunterfunktion – von der Einschätzung der Symptome über die Empfehlung des richtigen Diagnostikweges bis zur Begleitung der Therapie. In komplexen Fällen arbeiten wir eng mit Frau Christiane Wergowski zusammen, die auch im Großraum Berlin tätig ist.

Habt ihr das Gefühl, dass mit eurem Hund etwas nicht stimmt – und findet niemand eine Erklärung? Sprecht uns an. Manchmal liegt die Antwort in der Schilddrüse.

Termin vereinbaren: Über unser Kontaktformular oder telefonisch: 0151 – 55481708