Polyradikuloneuritis beim Hund

Was ist eine Polyradikuloneuritis?

Die Polyradikuloneuritis ist eine entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven – genauer gesagt der Nervenwurzeln (Radikulae), die das Rückenmark verlassen. „Poly" bedeutet, dass viele Nervenwurzeln gleichzeitig betroffen sind.

Es handelt sich um eine immunvermittelte Erkrankung – das körpereigene Immunsystem richtet sich irrtümlich gegen das Myelin, die Schutzschicht der Nervenfasern. Die Folge ist eine aufsteigende Lähmung, die sich innerhalb von Tagen entwickeln kann.

Ursachen

Die Polyradikuloneuritis kann verschiedene Auslöser haben:

  • Waschbärkontakt – der häufigste bekannte Auslöser in Deutschland. Ein Speichelkontakt mit einem Waschbären – auch ohne sichtbare Bisswunde – kann eine Polyradikuloneuritis auslösen. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt.

  • Impfnebenwirkung – in seltenen Fällen kann eine Schutzimpfung eine immunvermittelte Reaktion auslösen, die zur Polyradikuloneuritis führt. Das ist kein Grund, auf Impfungen zu verzichten – aber ein Grund, nach einer Impfung wachsam zu sein.

  • Andere Infektionen – bakterielle oder virale Infektionen können ebenfalls als Auslöser fungieren

  • Idiopathisch – in manchen Fällen bleibt die Ursache unklar

💡 Nach einem Waschbärkontakt – auch wenn der Hund scheinbar unverletzt ist – immer im Auge behalten und bei ersten Schwächezeichen sofort den Tierarzt aufsuchen!

Woran erkenne ich eine Polyradikuloneuritis?

Das Erkrankungsbild ist charakteristisch und entwickelt sich meist innerhalb von 1–2 Wochen nach dem auslösenden Ereignis:

  • Aufsteigende Lähmung – beginnt in der Hinterhand und steigt nach vorne auf

  • Muskelschwäche bis zur vollständigen Lähmung aller vier Gliedmaßen

  • Schmerzen – besonders bei Berührung der Muskulatur

  • Verminderte oder fehlende Reflexe

  • Stimmveränderungen – durch Beteiligung der Kehlkopfnerven

  • Im schweren Verlauf: Beteiligung der Atemmuskulatur – lebensbedrohlich!

⚠️ Die Polyradikuloneuritis kann sich sehr schnell verschlechtern – bei aufsteigender Schwäche sofort zum Tierarzt!

Die gute Nachricht

Bei rechtzeitiger Behandlung und intensiver Pflege haben viele Hunde sehr gute Chancen auf eine vollständige oder weitgehende Erholung! Die Nerven können sich regenerieren – aber das braucht Zeit, Geduld und konsequente Physiotherapie.

Was können wir für euren Hund tun?

Die Physiotherapie ist bei der Polyradikuloneuritis neben der tierärztlichen Behandlung die wichtigste Säule der Rehabilitation.

Unsere Ziele:

  • Kontrakturenprophylaxe – Gelenke beweglich halten während der Lähmungsphase

  • Unterstützung der Nervenregeneration durch gezielte Stimulation

  • Erhalt der Muskelmasse so weit wie möglich

  • Schrittweiser Wiederaufbau der Bewegungsfähigkeit

  • Propriozeptionstraining – Körperwahrnehmung neu aufbauen

Unsere Therapiemethoden:

  • Passive Bewegungsübungen – mehrmals täglich, sanft und konsequent – Kontrakturenprophylaxe

  • Lasertherapie – unterstützt die Nervenregeneration und wirkt entzündungshemmend

  • Massage – sanfte Stimulation der betroffenen Muskulatur, Durchblutungsförderung

  • Lagerungsmanagement – regelmäßige Umlagerung, Dekubitusprophylaxe

  • Unterwasserlaufband – sobald der Hund erste Bewegungsversuche zeigt, ideales Medium für den Wiedereinstieg

  • Propriozeptionstraining – schrittweiser Aufbau der Körperwahrnehmung

  • Elektrotherapie – gezielte Muskelstimulation während der Lähmungsphase

💡 Die Polyradikuloneuritis ist keine Diagnose, die man abwarten sollte – je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Chancen auf vollständige Erholung!

Ihr habt Fragen oder möchtet einen Termin vereinbaren? Wir sind gerne für euch da – telefonisch, per WhatsApp oder über unser Kontaktformular.

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Vier Wochen nach Beginn der Behandlung wegen Polyradikuloneuritis läuft Oscar auf seinen eigenen vier Pfoten in die Praxis!