Ellenbogendysplasie (ED)

Was ist die Ellenbogendysplasie?

Unter dem Begriff Ellenbogendysplasie (ED) werden verschiedene wachstumsbedingte Entwicklungsstörungen des Ellenbogengelenks zusammengefasst. Es handelt sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um einen Komplex von vier Hauptformen – alle mit demselben Grundproblem: das Ellenbogengelenk entwickelt sich nicht korrekt.

Die wichtigste Aussage vorab: Das Ellenbogengelenk kann durch keine derzeit verfügbare Methode vollständig geheilt werden – die Entstehung einer Arthrose ist langfristig unvermeidbar. Ziel aller Therapie ist es, diesen Prozess so lange wie möglich hinauszuzögern.

💡 Besonders häufig betroffen: Labrador Retriever, Golden Retriever, Rottweiler, Bernhardiner, Berner Sennenhund, Deutscher Schäferhund und Deutsche Dogge.

Die vier Formen der ED

1. Isolierter Processus Anconaeus (IPA) Ein Knochenfortsatz der Elle verschmilzt nicht wie vorgesehen mit dem Knochen – ein loses Knochenteil bleibt zurück und reizt das Gelenk dauerhaft. Typisch: Der Hund führt den Ellenbogen eng am Körper, die Pfote dreht nach außen.

2. Fragmentierter Processus Coronoideus (FPC) Ein kleiner Knochenfortsatz an der Innenseite der Elle bricht ab – die Fragmente reizen das Gelenk und schädigen den Knorpel. Tückisch: Manche Hunde lahmen bereits mit 5 Monaten, andere bleiben jahrelang symptomfrei.

3. Osteochondrosis dissecans (OCD) Eine Knorpelschuppe löst sich von der Gelenkfläche und schwimmt im Gelenk – sie verursacht Entzündung und Knorpelschäden.

4. Inkongruenz Elle und Speiche passen in der Länge nicht exakt zusammen – es entsteht eine Stufe im Gelenk, die den Knorpel massiv schädigt. Die Inkongruenz ist oft die Vorstufe oder Ursache für FPC und IPA.

Woran erkenne ich eine ED?

  • Lahmheit – von leicht bis schwer, je nach Form und Ausprägung

  • Anlauflahmheit – Verschlimmerung nach Ruhe, kurze Besserung nach Bewegung

  • Ellenbogen wird eng am Körper geführt – typische Schonhaltung

  • Pfote dreht charakteristisch nach außen

  • Schmerz bei Beugung und Streckung des Ellenbogengelenks

  • Gelenkschwellung durch Entzündung

  • Muskelabbau der betroffenen Vordergliedmaße im späteren Verlauf

Was können wir für euren Hund tun?

Hunde mit ED – besonders mit FPC – sind häufig unsere Dauerpatienten. Da sich die Arthrose trotz Operation unweigerlich entwickelt, ist unsere Aufgabe eine langfristige und konsequente.

Unsere Ziele:

  • Schmerzlinderung durch physikalische Maßnahmen

  • Erhalt der Beweglichkeit des Ellenbogengelenks

  • Gezielter Muskelaufbau zur Entlastung der Vordergliedmaßen

  • Verlangsamung der Arthroseentwicklung

  • Gewichtsmanagement – jedes Kilo weniger entlastet das Ellenbogengelenk erheblich

Phasengerechte Rehabilitation nach OP:

Phase 1 – Akutphase (0–2 Wochen) Kälteanwendung, Manuelle Lymphdrainage, Lasertherapie, sanfte passive Bewegungsübungen

Phase 2 – Aufbauphase (2–6 Wochen) Massage, Lasertherapie, ausgebaute passive Bewegungsübungen, Lymphdrainage

Phase 3 – Rehabilitation (ab 6. Woche) Unterwasserlaufband, gezielter Muskelaufbau, Propriozeptionstraining, Wärme, Faszientherapie

Langzeitbegleitung:

  • Regelmäßige Kontrolltermine zur Beurteilung der Arthroseentwicklung

  • Wärme dauerhaft vor Belastung

  • Massage der Kompensationsmuskulatur – Schulter und Rücken werden durch die Schonhaltung überlastet

  • Hydrotherapie als dauerhafte, schonende Bewegungsform

  • Konsequente Gewichtskontrolle

💡 Bei der ED behandeln wir nicht die Vergangenheit – wir gestalten die Zukunft des Gelenks!

Ihr habt Fragen oder möchtet einen Termin vereinbaren? Wir sind gerne für euch da – telefonisch, per WhatsApp oder über unser Kontaktformular.

Humerus (Oberarmknochen)——

Radius (Speiche)————-

—————-Ulna (Elle)

Isolierter Processus Anconaeus (IPA)

Fragmentierter Processus Coronoideus (FPC)

Osteochondrosis dissecans (OCD)

Inkongruenz