Polyneuropathie beim Hund
Was ist eine Polyneuropathie?
Der Begriff Polyneuropathie bedeutet wörtlich: viele (poly) Nerven (neuro) erkranken (pathie) gleichzeitig. Im Gegensatz zu einer Mononeuropathie – bei der nur ein einzelner Nerv betroffen ist – sind bei der Polyneuropathie mehrere periphere Nerven gleichzeitig geschädigt.
Die peripheren Nerven verbinden das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) mit den Muskeln, der Haut und den inneren Organen. Sind sie geschädigt, funktioniert diese Kommunikation nicht mehr zuverlässig – mit weitreichenden Folgen für Bewegung, Koordination und Körpergefühl.
Ursachen
Die Polyneuropathie ist keine eigenständige Erkrankung – sie ist fast immer Folge einer anderen Grunderkrankung oder eines schädigenden Einfllusses:
Stoffwechselerkrankungen – Diabetes mellitus, Hypothyreose
Immunvermittelt – der Körper richtet sich gegen das eigene Nervengewebe
Toxisch – Vergiftungen, bestimmte Medikamente
Paraneoplastisch – als Folge eines Tumors im Körper
Erblich – bei bestimmten Rassen genetisch bedingt
Idiopathisch – in vielen Fällen bleibt die Ursache unklar
💡 Besonders betroffen: Alaskan Malamute, Siberian Husky, Leonberger und Rottweiler – bei diesen Rassen gibt es erbliche Formen der Polyneuropathie.
Woran erkenne ich eine Polyneuropathie?
Die Symptome entwickeln sich meist schleichend und sind je nach betroffenem Nervensystem sehr vielfältig:
Muskelschwäche – oft beginnend in der Hinterhand
Koordinationsprobleme – unsicherer, schwankender Gang
Muskelabbau – durch mangelnde Nervenversorgung
Veränderte oder fehlende Reflexe
Verminderte Schmerzwahrnehmung
Krallenschleifen – Pfoten werden nicht richtig angehoben
Überköten – Pfoten knicken beim Auffußen um
Im fortgeschrittenen Stadium: Beteiligung der Vorderhand und Schluckbeschwerden möglich
⚠️ Die Polyneuropathie kann der Degenerativen Myelopathie ähneln – eine genaue Diagnose durch den Tierarzt ist entscheidend!
Was können wir für euren Hund tun?
Die Physiotherapie kann die Polyneuropathie nicht heilen – aber sie kann die Lebensqualität erheblich verbessern, die Muskulatur erhalten und die verbleibende Nervenfunktion optimal unterstützen.
Unsere Ziele:
Erhalt der Muskelmasse durch aktive Stimulation
Verbesserung der Koordination und Körperwahrnehmung
Propriozeptionstraining – die nachlassende Wahrnehmung so lange wie möglich aufrechterhalten
Behandlung der Kompensationsmuskulatur
Erhalt der Lebensqualität
Unsere Therapiemethoden:
Unterwasserlaufband – ermöglicht koordinierte Bewegung auch bei nachlassender Kraft, entlastet durch Auftrieb
Propriozeptionstraining – Wackelbrett, Balancekissen, Cavaletti, Schrägflächen
Massage – Durchblutungsförderung und Behandlung der Kompensationsmuskulatur
Lasertherapie – unterstützt die Nervengesundheit und wirkt entzündungshemmend
Passive Bewegungsübungen – Erhalt des Bewegungsumfangs und Kontrakturenprophylaxe
Propriozeptionstapes – an den Hintergliedmaßen zur Bewusstmachung der Körperwahrnehmung
Elektrotherapie – gezielte Stimulation der betroffenen Muskulatur
💡 Bei der Polyneuropathie ist Bewegung die beste Medizin – aber immer angepasst an den aktuellen Zustand des Hundes!
Ihr habt Fragen oder möchtet einen Termin vereinbaren? Wir sind gerne für euch da – telefonisch, per WhatsApp oder über unser Kontaktformular.